Symbolfoto - Blindfolded

Man kann nicht schützen, was man nicht sehen kann

In der Cybersicherheit gilt eine goldene Regel: Was Sie nicht sehen können, können Sie nicht schützen.

Das klingt selbstverständlich – doch in den komplexen digitalen Umgebungen von heute ist dies für viele Unternehmen eine tägliche Herausforderung. Stellen Sie sich vor, Sie versuchen, Ihr Haus im Dunkeln zu sichern. Sie würden nicht wissen, ob jemand eingebrochen ist, geschweige denn, wie Sie ihn aufhalten könnten. Das Gleiche gilt für Ihre digitalen Assets: Wenn Sie nicht wissen, was vorhanden ist, können Sie es nicht schützen.

Warum Visibilität an erster Stelle steht

Bevor Sie Ihr Netzwerk schützen können, müssen Sie wissen, was sich darin befindet. Das ist der Kern der Netzwerkvisibilität: eine klare, umfassende Übersicht über alle Geräte, Applikationen, Datenflüsse und Verbindungen in Ihrer Umgebung.

Ohne Visibilität sind Ihre Sicherheitsmaßnahmen reine Spekulation. Es ist, als würde man versuchen, eine Festung zu bauen, ohne zu wissen, wo die Mauern stehen – oder wo die Tore sein sollten. Sie reagieren ständig auf Bedrohungen, nachdem der Schaden bereits entstanden ist.

Jedes unüberwachte Gerät, jede unbekannte Verbindung oder jeder versteckte Datenfluss ist ein potenzieller Angriffsvektor. Echte Cybersicherheit beginnt mit der Fähigkeit zu sehen.

Wenn Verschlüsselung Ihre Sicht blockiert

Verschlüsselung ist eines der leistungsstärksten Tools in der Cybersicherheit. Sie schützt sensible Daten, indem sie sie verschlüsselt und so vor neugierigen Blicken schützt. Vom Online-Banking bis hin zu privaten Nachrichten verlassen wir uns jeden Tag auf Verschlüsselung – und das aus gutem Grund.

Aber selbst leistungsstarke Tools können Probleme verursachen, wenn sie missbraucht werden. Eine der unbeabsichtigten Folgen der weit verbreiteten Verschlüsselung ist der Verlust der Visibilität – insbesondere wenn Unternehmen den Datenverkehr, der in ihre Netzwerke ein- und aus ihnen ausgeht, nicht überprüfen können.

Hier kommt die SSL-Inspektion (oder „Break and Inspect“) ins Spiel. Ohne sie wird verschlüsselter Datenverkehr zu einem blinden Fleck. Wenn ein Insider sensible Daten stiehlt, kann die Verschlüsselung ihm sogar dabei helfen, sich zu verstecken, sodass Ihr Sicherheitsteam nicht sehen kann, was vor sich geht. Selbst nationale Sicherheitsbehörden verlassen sich auf SSL-Entschlüsselung, um sicherzustellen, dass ihre eigenen Schutzmaßnahmen nicht gegen sie verwendet werden.

Einige argumentieren, dass die Analyse von Datenverkehrsmustern ausreicht, beispielsweise das Erkennen großer ausgehender Datenübertragungen bei geringem eingehenden Datenverkehr. Das ist zwar hilfreich, reicht aber allein nicht aus. Bösartige Bots und Command-and-Control-Datenverkehr können sich in verschlüsselten Kanälen verstecken, und wenn Sie sie nicht sehen können, können Sie sie auch nicht stoppen.

In der Vergangenheit zwangen begrenzte SSL-Inspektionsfunktionen einige Unternehmen zu schwierigen Kompromissen: entweder das Risiko akzeptieren oder die Verschlüsselung schwächen. Mit modernen Tools müssen Sie sich jedoch nicht mehr entscheiden. Heute können Sie sowohl starke Verschlüsselung als auch vollständige Visibilität haben.

Visibilität: Die erste Verteidigungslinie

Stellen Sie sich Cybersicherheit wie den Schutz Ihres Zuhauses vor. Sie würden sich nicht nur auf ein Schloss verlassen, sondern mehrere Ebenen nutzen: Fensterschlösser, Kameras, Alarmanlagen, vielleicht sogar einen Wachhund. Das ist tiefgreifende Verteidigung.

In der Netzwerksicherheit ist Visibilität die allererste Ebene. Wenn Sie nicht alle Hardware, Software und den Datenverkehr in Ihrem Netzwerk sehen können, arbeitet Ihr Team mit einem erheblichen Nachteil. Was Sie nicht sehen können, können Sie auch nicht kontrollieren.

Dies umfasst sowohl Endgeräte wie Laptops, Telefone und IoT-Geräte als auch die Infrastruktur selbst: Switches, Router, Firewalls. Diese Kernkomponenten bleiben nach der Einrichtung oft unbemerkt, aber wenn sie nicht gewartet oder gesichert werden, werden sie zu einfachen Einstiegspunkten für Angreifer.

Tools wie IP Address Management (IPAM) und Network Configuration and Control Management (NCCM) helfen Ihnen dabei, zu verfolgen, was verbunden ist, was Warnmeldungen auslöst und wo Bedrohungen ihren Ursprung haben. Mit diesen Tools können Sie Anomalien erkennen, bösartige Geräte isolieren und schnell Maßnahmen ergreifen – bevor Schaden entsteht.

Shadow-IT: Die versteckte Bedrohung

Shadow-IT ist eines der deutlichsten Beispiele für das Problem der Visibilität. Angesichts der Vielzahl leicht zugänglicher Cloud-Dienste und mobiler Apps nutzen Mitarbeiter häufig Tools, ohne die IT-Abteilung einzubeziehen, weil sie glauben, dass sie dadurch produktiver arbeiten können.

Wenn die IT jedoch nicht weiß, welche Tools verwendet werden, kann sie die Daten, die über diese Tools fließen, nicht schützen. Dieses Problem trat erstmals im Zuge der Bring-Your-Own-Device-Bewegung (BYOD) auf und hat sich mit dem Aufkommen von Cloud, SaaS und nun IoT noch verschärft.

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage ergab, dass mehr als jedes fünfte Unternehmen aufgrund einer nicht genehmigten IT-Ressource einen Cybervorfall erlebt hat. Viele Führungskräfte geben zu, dass sie nicht genau wissen, wie viele Apps oder Geräte in ihren Netzwerken verwendet werden. Einige Unternehmen nutzen Hunderte oder sogar Tausende von Tools, von denen viele völlig unüberwacht sind.

Und mit 5G, das noch mehr Geräteverbindungen ermöglicht, wird diese Herausforderung nur noch zunehmen.

So bleiben Sie Shadow-IT einen Schritt voraus:

  • Überwachen Sie den Netzwerkverkehr, um zu sehen, welche Anwendungen ausgeführt werden und wer sie nutzt.
  • Legen Sie klare Richtlinien für die Nutzung von Geräten und Software fest.
  • Verwenden Sie Blacklists für unsichere Anwendungen und setzen Sie ein Zero-Trust-Modell durch, bei dem sich jeder Benutzer und jedes Gerät authentifizieren muss.

Am wichtigsten ist es, die Zusammenarbeit zwischen IT- und Geschäftsteams zu fördern. Das Ziel ist nicht, Menschen auszuschließen, sondern eine gemeinsame Kultur der Resilienz aufzubauen.

Fazit: Visibilität ist unverzichtbar

Cyberbedrohungen werden immer intelligenter. Netzwerke werden immer komplexer. Und die Folgen von blinden Flecken sind zu kostspielig, um sie zu ignorieren.

Visibilität ist kein Luxus, sondern die Grundlage für eine starke Cybersicherheit. Ohne sie agieren Sie im Dunkeln und verschaffen Angreifern einen Vorteil. Mit ihr wechseln Sie von einer reaktiven Verteidigung zu einer proaktiven Kontrolle und schützen Ihre Ressourcen, bevor Schäden entstehen.

Was können Sie also heute tun?

  • Erfassen Sie alle Geräte, Anwendungen und Verbindungen in Ihrem Netzwerk.
  • Überprüfen Sie verschlüsselten Datenverkehr verantwortungsbewusst mit modernen SSL-Inspektionstools.
  • Verfolgen Sie Infrastrukturkomponenten genauso sorgfältig wie Benutzergeräte.
  • Überwachen Sie Shadow-IT und fördern Sie die teamübergreifende Verantwortlichkeit.
  • Führen Sie Zero Trust als Leitprinzip ein – nicht nur als Schlagwort.
  • Verwenden Sie Produkte für Netzwerkvisibilität (z.B. von NEOX NETWORKS).
  • Führen Sie mit Produkten wie Binalyze eine Kompromittierungsbewertung in Ihren Netzwerken durch.

Welche Schritte unternimmt Ihr Unternehmen, um vollständige Visibilität zu gewährleisten? Je früher Sie alles sehen können, desto schneller können Sie alles schützen.

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Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in der IT- und Sicherheitsbranche ist Dr. Erdal Ozkaya eine herausragende Persönlichkeit in der globalen Cybersicherheitslandschaft, die sich für den Schutz von Unternehmen vor virtuellen Gefahren einsetzt.
Als CISO von NEOX steht Dr. Ozkaya an vorderster Front, wenn es darum geht, Cybersicherheitsstrategien zu entwickeln und das Risikomanagement für die Informationssicherheit zu leiten. Dr. Ozkaya ist eifrig dabei, Cybersicherheitsprobleme zu lösen und die digitale Innovation in Unternehmen und in der Gesellschaft insgesamt voranzutreiben.
Seine außergewöhnliche Führungsqualitäten und sein Scharfsinn sind nicht unbemerkt geblieben. So wurde er von IDC und CIO Online als eine der 50 größten Tech-Koryphäen anerkannt und von den InfoSec Awards mit dem prestigeträchtigen Titel Global Cybersecurity Influencer of the Year ausgezeichnet.